Formel 1 2026: Das neue Reglement und die Rolle von Pankl Racing Systems

Mit dem Saisonstart 2026 trat in der Formel 1 das umfassendste neue Regelwerk seit Jahrzehnten in Kraft. Pankl Racing Systems war als Schlüssellieferant früh in die Entwicklungsphase eingebunden – und versorgt auch in dieser Saison das gesamte F1-Starterfeld mit hochtechnologischen Komponenten.

Was ändert sich im Formel 1-Reglement 2026?

Das neue Formel-1-Reglement 2026 schreibt vor, dass die maximale Leistung eines Rennwagens zu gleichen Teilen aus Elektro- und Verbrennungsantrieb stammen muss – ein 50/50-Split, der so bislang nicht existierte. Damit steigt der Elektroleistungsanteil deutlich gegenüber den Vorjahren.

Die wichtigsten Regeländerungen 2026 im Überblick:

  • Elektrischer Antrieb: 50 % der Gesamtleistung kommen aus der Elektromotoreinheit (MGU-K).
  • Aufladen während des Rennens: Fahrer laden die Batterie aktiv durch strategisch langsamere Fahrphasen auf, um an kritischen Stellen – etwa bei Überholmanövern – volle elektrische Leistung abrufen zu können. Das Laden erfolgt über den Verbrenner.
  • Overtake Mode statt DRS: Der frühere Drag Reduction System (DRS)-Heckflügel entfällt. Stattdessen gibt es den sogenannten „Overtake Mode”: Liegt ein Fahrer beim definierten Messpunkt innerhalb einer Sekunde hinter dem Vordermann, darf er die maximale elektrische Leistung aktivieren.
  • Aktive Aerodynamik: Front- und Heckflügel öffnen und schließen sich dynamisch während des Rennens – für Zuschauer bei TV-Übertragungen deutlich sichtbar, wo die aktuelle Leistungsabgabe der Fahrer eingeblendet wird.

High Tech, High Speed, High Quality

Das neue Reglement stellte auch Pankl Racing Systems vor große Herausforderungen. „Der gesteigerte Anteil an Elektroleistung bedeutet viel höhere Drehmomentspitzen, was eine höhere Belastung für unsere Bauteile im Antriebsstrang bedeutet”, erklärt Stefan Seidel, CTO von Pankl Racing Systems. „Wir wurden von den Teams sehr früh in der Entwicklungsphase eingebunden und haben gemeinsam mit den F1-Teams die Komponenten ausgelegt.” Diese enge Zusammenarbeit mit den Rennteams ist typisch für Pankl: Das Unternehmen beliefert nicht einzelne Rennställe, sondern das gesamte Formel-1-Starterfeld. Welche Teams welche Bauteile erhalten, bleibt vertraulich – Seidel kommentiert es mit einem Schmunzeln: „Böse Zungen behaupten, wir verlieren jedes Rennen, wir gewinnen aber auch jedes Rennen – egal, was passiert.”

Additive Fertigung als Schlüsseltechnologie der Saison 2026

Das neue Regelwerk erfordert nicht nur robustere, sondern auch leichtere Komponenten – und das unter hohem Zeitdruck. Pankl setzt dabei auf modernste Titan-3D-Drucker: „Wir waren gezwungen, heuer sehr rasch unsere Bauteile auszuliefern, und da war der 3D-Druck für uns das Mittel der Wahl”, so Seidel. „Außerdem bietet der 3D-Druck ein unglaubliches Leichtbau-Potenzial, was heuer für alle Teams sehr wichtig war.” Komponenten aus dem 3D-Druckverfahren verbinden höchste Festigkeit mit minimalem Gewicht – ein entscheidender Vorteil in einer Saison, in der Leichtbau regulatorisch und wettbewerblich mehr zählt denn je.

Pankl Racing Systems und die Formel 1: Versorger des gesamten Feldes

Die Formel 1 ist ein wesentlicher Umsatzträger für Pankl Racing Systems. In der Steiermark entstehen so viele unterschiedliche Bauteile – von Getriebekomponenten über Fahrwerkssysteme bis zu Motorbauteilen –, dass man daraus, wie Seidel betont, „schon fast einen ganzen Rennwagen zusammenbauen könnte.” Pankl steht damit exemplarisch für die Bedeutung des österreichischen Automotive-Sektors in der globalen Motorsporttechnologie – und für die Fähigkeit, sich auf eine der tiefgreifendsten Regelreformen der F1-Geschichte einzustellen.

FAQ – Häufige Fragen zum F1-Reglement 2026

Was ist der größte Unterschied im F1-Reglement 2026? Der 50/50-Split zwischen Elektro- und Verbrennungsantrieb sowie die Abschaffung des DRS zugunsten des aktiven Aerodynamik-Systems und des Overtake Mode – das alles gepaart mit einem deutlich niedrigeren Fahrzeuggewicht.

Wie funktioniert das Aufladen der Batterie während eines F1-Rennens 2026? Die Batterie wird aktiv über den Verbrennungsmotor aufgeladen, indem Fahrer in taktisch günstigen Phasen bewusst weniger Leistung abrufen. Zusätzlich speist die Bremsenergie-Rückgewinnung die Batterie. Wer den richtigen Moment wählt, hat bei Überholmanövern die volle elektrische Leistung zur Verfügung.

Welche Anforderungen stellt das neue F1-Reglement 2026 an Zulieferer wie Pankl Racing Systems? Der höhere Elektroanteil erzeugt deutlich größere Drehmomentspitzen im Antriebsstrang – Bauteile müssen diese Belastung bei gleichzeitig strikt limitiertem Gewicht aushalten. Zulieferer müssen zudem in der Lage sein, neue Komponenten schnell zu entwickeln und auszuliefern, da das Regelwerk auch während der laufenden Saison weiterentwickelt wird.

Wie unterscheidet sich die Formel 1 2026 vom Vorjahr für Fans? Sichtbarste Neuerung sind die aktiv auf- und zuklappenden Front- und Heckflügel, die das optische Bild der Autos deutlich verändern. Der bekannte DRS-Knopf entfällt, Überholmanöver werden durch den Overtake Mode spontaner. Neu ist auch die strategische Dimension des Energiemanagements – im TV an der eingeblendeten Leistungsanzeige der Fahrer ablesbar.

Krenhof AG: Jeden Tag ein Stück besser mit High Tech, High Speed und High Quality

Krenhof AG aus Köflach ist seit Beginn des Jahres offiziell ein Mitglied der Pankl-Gruppe – eine Verbindung der beiden Unternehmen besteht aber schon länger. Wir haben Matthias Hartmann (HAR) und Christoph Prattes (PRA) zu einem Interview getroffen, um mit ihnen hinter die Kulissen der Übernahme zu blicken und über die gemeinsamen Zukunftsaussichten zu sprechen.

I.: Seit 12.01.2021 ist Krenhof AG offiziell Teil der Pankl-Gruppe. Der Integrationsprozess ist bereits in vollem Gange – wie läuft dieser ab und wann wird dieser abgeschlossen sein?

HAR.: Wann so eine Integration abgeschlossen ist, kann man nicht an einem Datum festmachen. Dabei ist uns auf beiden Seiten bewusst, dass sich ein solcher Prozess vorrangig um Menschen dreht. Deshalb war es anfangs auch wichtig, sich gegenseitig kennenzulernen. Die ersten Integrationsschritte haben wir bereits abgeschlossen und gemerkt, dass wir Steirer miteinander gut harmonieren. Eine Verbindung zwischen den beiden Unternehmen gibt es schon länger – seit einigen Jahren ist Krenhof ein wichtiger Lieferant für Pankl. Diese vertikale Kunden-Lieferanten-Beziehung haben wir durch diesen Zusammenschluss in eine horizontale Partnerschaft gewandelt, die sich künftig ergänzen soll. Einerseits braucht so eine Integration natürlich ihre Zeit, andererseits sehen wir es jetzt schon als wichtig an, dass wir konsequent in allen Entscheidungenebenen agieren, um diese Zusammenführung positiv abschließen zu können.

PRA: Wir haben mit „high speed“ losgelegt und konnten so zehn Hauptmodule identifizieren, damit die Integration sauber und vollständig verläuft. Innerhalb der kurzen Zeit konnten wir bereits erste Erfolge verbuchen: Abteilungen haben sich kennengelernt und die gemeinsame Ausrichtung wurde auch schon definiert. In gewissen Bereichen konnten wir schon mit schnellen Lösungen aufwarten, bei anderen Prozessen wissen wir, dass uns diese noch länger beschäftigen werden. Und das ist auch völlig normal! Bis alles vollständig funktioniert und wir die Zusammenführung für erfolgreich beendet erklären können, wird uns dieses Thema noch eine Weile begleiten.

vl.: Christoph Prattes, Matthias Hartmann

I.: Was erwartet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zukunft? Worauf sollen wir uns im Konzern einstellen?

HAR.: Krenhof und Pankl verfolgen dasselbe Ziel: Wir wollen wachsen. Unser Geschäftsmodell basiert nicht darauf, dass die Kosten gegen Null gefahren werden. Die Philosophie ist es, am Markt mit Qualität, Erfahrung und logistischen Lösungen zu überzeugen und dabei ein Preisniveau zu realisieren, mit dem man auch in Österreich wirtschaften kann. Uns ist es sehr wichtig, dass wir möglichst viele Fachkräfte bei uns in den Unternehmen halten und beschäftigen. Angst vor einer Kündigung braucht dabei niemand in der Gruppe zu haben. Unser Fokus liegt verstärkt auf der Implementierung gemeinsamer Prozesse. Dass die Bereitschaft dafür bereits da ist, sehe ich sowohl bei Pankl als auch bei Krenhof. Bis jetzt funktionieren die Kommunikation und der Know-how-Transfer zwischen den Unternehmen sehr gut. Was die Zukunft so bringen wird, können wir leider nicht voraussagen. Wir wissen aber, dass wir unsere Unternehmenspolitik so auslegen möchten, um mit geballter „Man-Power“ gemeinsam durchstarten und wachsen.

PRA: Wir wollen das Beste der beiden Unternehmen in den Vordergrund rücken und darauf aufbauen. In den vergangenen Jahren habe ich Krenhof als anerkannten und hochverlässlichen Lieferanten für die Mittelserie kennengelernt, der intern eine sehr schlanke und wettbewerbsfähige Struktur aufweist. Hier können wir uns bei Pankl sicher einiges abschauen. Besonders aufgefallen ist mir die Tiefe der Produktionsoptimierung und der Maschinendaten-Erfassung. Wir bei Pankl sind für eine hohe Wertschöpfungstiefe bekannt, durch die Partnerschaft mit Krenhof sehen wir da eine optimale Ergänzung, um vom Motorsport auch den Weg weiter in die Serie zu finden.

In die Zukunft blickend sehen wir da sehr viele Vorteile und gute Voraussetzungen, um gemeinsam neue Geschäftsfelder zu erschließen. Wir haben zumal eine Mengenerhöhung im Getriebewerk, wo Krenhof seit jeher schon unser Nummer 1-Lieferant ist. Diesen Aufschwung, dank der steigenden Vielzahl an KTM-Produkten, können und wollen wir so mitnehmen. Auch die SHW sehen wir als einen sehr wichtigen Partner mit einer Vielzahl an Kontakten in verschiedene Märkte, die wir auch berücksichtigen möchten. Wie man sieht, haben wir schon an vielen Stellen erste vernünftige Anknüpfungspunkte von gemeinsamen Projekten und Märkten definiert.

I.: Gibt es schon ein erstes gemeinsames Kundenprojekt? Wie sieht hier die Aufgabenverteilung aus?

HAR.: Wir haben bereits einen Pleuel-Auftrag an Land gezogen, der bald starten wird. Die interne Aufgabenverteilung haben wir wie folgt definiert: Krenhof wird das fertige Schmiedeprodukt an Pankl liefern, wo im Anschluss an die Produktion die Fertigbearbeitung durchgeführt wird. Die Entwicklung von diesem Produkt selbst liegt in diesem Fall beim Kunden. Der komplette Produktionsprozess – vom Rohteil, über die Bearbeitung bis hin zur kompletten Wärmebehandlung – erfolgt bei uns im Haus. Es sind innerbetriebliche Vernetzungen wie diese, die wir künftig effizient und effektiv nützen möchten.

PRA: Dieser Auftrag ist für uns ein ganz spannender, weil es sich dabei um ein Stahlpleuel-Serienprojekt handelt. Für Pankl ist das ein neues Geschäftsfeld. Durch den Zusammenschluss ist es uns ganz einfach möglich, Experten aus allen benötigten Bereichen an einen Tisch zu holen, um Projekte und Prozesse zu optimieren. Dadurch können wir auch so unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern. Die Vielzahl an Stellhebeln, die wir in der Hand haben – von den Schnittstellen, über die Expertise bis zu den preislichen Möglichkeiten – können wir so optimal bedienen.

I.: Auf welche Erfolge möchten Sie am 31.12.2021 zurückblicken?

HAR.: Der wichtigste Erfolg für uns ist, dass die Integration erfolgreich verläuft. Zudem möchte ich am 31.12. darauf zurückblicken, dass wir in einer möglichst hohen Konsequenz die Vorteile und Synergien, die sich durch die Partnerschaft ergeben, auch nutzen. Je mehr wir das tun, desto lieber ist es mir. Wir sehen da keine Notwendigkeit, hohe und eventuell unrealistische Ziele zu verkünden. Ich glaube, dass sich durch unsere gemeinsame Vorgehensweise Bereiche herauskristallisieren, denen man Zeit lassen muss, um noch besser zu werden.

PRA.: Ich kann mich Herrn Hartmann nur anschließen. Unser beider Aufgabe ist es, in diesem Prozess als Regelsystem zu dienen, damit wir die Kraft optimal auf die Straße bringen. So wie das Ganze gestartet ist und so, wie die Chemie zwischen Pankl und Krenhof stimmt, bin ich bester Dinge, dass wir die Integration gut über die Bühne bringen.

I.: Vielen Dank für das spannende Interview. Wir freuen uns schon auf eine tolle Zusammenarbeit und viele spannende gemeinsame Projekte!